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WireGuard VPN: MTU richtig einstellen in UniFi Network 10.2

Alles über den MTU-Wert und die Maximale Übertragungseinheit – mit Empfehlungen für Mobilfunk, Starlink, DSL und spanische Glasfaseranbieter (Movistar, Orange & Co.)

UniFi Network 10.2.105

UniFi OS 5.0.16

Stand: April 2026

1. Was ist die MTU überhaupt?

MTU steht für Maximum Transmission Unit – auf Deutsch: Maximale Übertragungseinheit. Sie bestimmt die größte Datenmenge (in Bytes), die in einem einzelnen Netzwerkpaket verschickt werden darf.

Einfach erklärt: Stell dir vor, du verschickst Umzugskartons mit einem Lieferwagen. Jeder Lieferwagen hat eine maximale Ladegröße – das ist die MTU. Wenn ein Karton zu groß ist, muss er aufgeteilt werden (Fragmentierung), oder er passt gar nicht rein und wird zurückgeschickt. Je besser die Kartongröße zum Lieferwagen passt, desto schneller und zuverlässiger kommt alles an.

Der Standardwert für Ethernet-Netzwerke liegt bei 1500 Bytes. Das bedeutet: Jedes Datenpaket, das dein Router verschickt, darf maximal 1500 Bytes groß sein. Bei VPN-Verbindungen wie WireGuard kommt allerdings ein zusätzlicher „Umschlag” (Header/Overhead) dazu – und genau hier wird es spannend.

2. MTU-Wert vs. Maximale Übertragungseinheit – Was ist der Unterschied?

In UniFi Network 10.2.105 findest du bei der WireGuard-VPN-Konfiguration zwei Einstellungen, die auf den ersten Blick ähnlich klingen:

Der MTU-Wert (im WireGuard-Interface)

Das ist die MTU, die direkt auf dem WireGuard-Tunnel-Interface gesetzt wird. Sie bestimmt, wie groß die Datenpakete sein dürfen, die durch den VPN-Tunnel selbst geschickt werden. Dieser Wert muss kleiner sein als die MTU der zugrundeliegenden Internetverbindung, weil WireGuard noch seinen eigenen Header (den „VPN-Umschlag”) um jedes Paket wickelt.

Standard-MTU für WireGuard

WireGuard verwendet standardmäßig eine MTU von 1420 Bytes (bei IPv4) bzw. 1400 Bytes (bei IPv6). Der UniFi-Standard für den Client liegt bei 1280 Bytes – ein konservativer Wert, der fast überall funktioniert.

Die Maximale Übertragungseinheit (am WAN-/Netzwerk-Interface)

Diese Einstellung bezieht sich auf die MTU des physischen Netzwerkinterfaces – also die Verbindung zwischen deinem UniFi-Gateway und dem Internet (WAN). Sie legt fest, wie groß Pakete auf der eigentlichen Internetleitung sein dürfen, bevor sie in den VPN-Tunnel gepackt werden.

Wichtig: Die beiden Werte hängen zusammen!

Der MTU-Wert des WireGuard-Tunnels muss immer kleiner sein als die Maximale Übertragungseinheit des WAN-Interfaces. Denn der WireGuard-Header braucht Platz innerhalb des Gesamtpakets.

Der Zusammenhang auf einen Blick

EinstellungBezieht sich aufStandardwertBedeutung
MTU-WertWireGuard-Tunnel (virtuelles Interface)1420 (WG Standard) / 1280 (UniFi Client)Maximale Paketgröße innerhalb des VPN-Tunnels
Maximale ÜbertragungseinheitWAN-Interface (physische Verbindung)1500 (Ethernet) / 1492 (PPPoE)Maximale Paketgröße auf der Internetleitung inklusive VPN-Header

3. Warum ist die MTU bei WireGuard so wichtig?

WireGuard verpackt deine Daten in einen verschlüsselten „Umschlag”. Dieser Umschlag hat eine feste Größe:

BestandteilBytes
IPv4-Header (äußerer)20
UDP-Header8
WireGuard-Header32
Overhead gesamt (IPv4)60 Bytes
IPv6-Header (äußerer, statt IPv4)40
Overhead gesamt (IPv6)80 Bytes

Wenn deine Internetleitung eine MTU von 1500 Bytes erlaubt, bleiben bei IPv4 also maximal 1500 − 60 = 1440 Bytes für die eigentlichen Daten im Tunnel. Bei IPv6 sind es nur noch 1500 − 80 = 1420 Bytes.

Wählst du einen zu großen MTU-Wert für den Tunnel, werden die Pakete fragmentiert oder gehen verloren. Das führt zu:

  • Langsamen oder abbrechenden Verbindungen
  • Webseiten, die nicht laden (besonders HTTPS)
  • Timeouts bei Downloads und Uploads
  • Instabiler VPN-Verbindung mit häufigen Abbrüchen

4. Wo finde ich die Einstellung in UniFi Network 10.2?

Ab UniFi Network 10.2.105 kannst du den MTU-Wert für WireGuard direkt über die Oberfläche anpassen – ein lang ersehntes Feature, das in früheren Versionen nur umständlich per SSH möglich war.

So gehst du vor:

  1. Öffne die UniFi Network App unter Einstellungen
  2. Gehe zu VPNWireGuard
  3. Wähle dein VPN-Profil (Server oder Client)
  4. Unter den erweiterten Einstellungen findest du nun das Feld MTU
  5. Trage den gewünschten Wert ein und klicke auf Änderungen übernehmen

Achtung: Verbindung wird kurz unterbrochen!

Wenn du den MTU-Wert änderst, während eine WireGuard-Verbindung aktiv ist, wird die Verbindung kurzzeitig getrennt und automatisch neu aufgebaut.

5. Empfohlene MTU-Werte nach Verbindungstyp

Die folgende Tabelle zeigt dir die empfohlenen WireGuard-MTU-Werte für verschiedene Internetverbindungstypen. Der richtige Wert hängt von der MTU deiner zugrundeliegenden Verbindung und dem verwendeten Protokoll (IPv4 oder IPv6) ab.

VerbindungstypWAN-MTUWireGuard MTU (IPv4)WireGuard MTU (IPv6)Hinweise
Glasfaser (DHCP/IPoE)150014401420Bestmöglicher Wert. Kein PPPoE-Overhead.
Glasfaser mit PPPoE (Movistar, Orange, Jazztel)149214121412PPPoE nimmt 8 Bytes weg. Typisch für spanische Anbieter!
DSL / VDSL mit PPPoE149214121412Gleiche Berechnung wie Glasfaser + PPPoE.
Kabel-Internet (DOCSIS)150014401420Kein PPPoE, volle MTU verfügbar.
Starlink150014201400Starlink nutzt intern CGNAT und teils zusätzliche Kapselung. Konservativerer Wert empfohlen.
Mobilfunk (4G/LTE)1400–1500*1320–13801280–1320Stark abhängig vom Anbieter und Netzqualität. Im Zweifel: 1280.
Mobilfunk (5G)1440–1500*1360–14001340–1380Etwas besser als 4G, aber weiterhin variabel.
Doppeltes NAT / CGNATvariabel1280–13801280Bei CGNAT (z. B. Mobilfunk, manche FTTH-Anbieter): niedrigeren Wert wählen.
Satelliten-Internet (nicht Starlink)variabel12801280Maximale Kompatibilität. Höhere Latenz unvermeidbar.

* Mobilfunkanbieter setzen die MTU unterschiedlich. Die tatsächliche MTU kann je nach Standort, Netzlast und Anbieter variieren.

Faustregel für Einsteiger

Wenn du dir unsicher bist, setze den WireGuard-MTU-Wert auf 1280. Das ist der kleinstmögliche sinnvolle Wert und funktioniert praktisch überall – auch wenn damit etwas Durchsatz verloren geht. Du kannst später schrittweise höher gehen und testen, ob die Verbindung stabil bleibt.

6. Besonderheiten bei spanischen Anbietern

Wer auf Mallorca oder anderswo in Spanien lebt, arbeitet häufig mit Glasfaseranschlüssen (FTTH), die technisch anders funktionieren als etwa in Deutschland. Hier die wichtigsten Details:

Movistar / O2 (Telefónica)

Movistar nutzt für den Internetzugang PPPoE über VLAN 6. Die PPPoE-Zugangsdaten sind öffentlich bekannt (adslppp@telefonicanetpa / adslppp). Durch den PPPoE-Overhead reduziert sich die WAN-MTU auf 1492 Bytes.

Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412

Orange / Jazztel

Orange nutzt ebenfalls PPPoE, allerdings über eine andere VLAN (üblicherweise VLAN 832 für Internet). Auch hier gilt eine WAN-MTU von 1492 Bytes.

Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412

Vodafone España (ehemals ONO)

Vodafone setzt in vielen Gebieten DHCP (IPoE) statt PPPoE ein, teilweise aber auch PPPoE. Bei DHCP beträgt die WAN-MTU volle 1500 Bytes, bei PPPoE nur 1492.

Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1420–1440 (DHCP) bzw. 1412 (PPPoE)

Digi (Glasfaser)

Digi nutzt PPPoE mit WAN-MTU 1492.

Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412

MásMóvil / Pepephone / Yoigo

Diese Anbieter nutzen in der Regel DHCP (IPoE) und erlauben eine WAN-MTU von 1500 Bytes.

Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1420–1440

Tipp für UniFi mit Movistar GPON

Wenn du deinen Movistar-Router durch ein UniFi Cloud Gateway (z. B. UCG Max, UDM Pro) mit GPON-SFP-Stick ersetzt, musst du die VLAN 6 und PPPoE manuell konfigurieren. Die MTU wird dabei automatisch auf 1492 gesetzt. Achte darauf, dass der WireGuard-MTU-Wert entsprechend angepasst wird.

AnbieterProtokollVLANWAN-MTUWireGuard MTU (Empfehlung)
Movistar / O2PPPoE614921412
Orange / JazztelPPPoE83214921412
Vodafone (DHCP)IPoE/DHCP10015001420–1440
Vodafone (PPPoE)PPPoE10014921412
DigiPPPoE2014921412
MásMóvil / YoigoIPoE/DHCP2015001420–1440
Starlink (Mallorca)DHCP15001400–1420

Hinweis: VLAN-IDs können je nach Region und Installationszeitpunkt variieren. Im Zweifel die Konfiguration im bestehenden Router prüfen.

7. Typische Probleme bei falschem MTU-Wert

Ein falsch eingestellter MTU-Wert verursacht Symptome, die auf den ersten Blick wie ein komplett anderes Problem aussehen können:

SymptomWahrscheinliche UrsacheLösung
VPN verbindet, aber keine Webseiten ladenMTU zu hoch – große HTTPS-Pakete werden verworfenMTU schrittweise um 20 reduzieren
Ping funktioniert, aber Downloads brechen abKleine Ping-Pakete passen, große Datenpakete nichtMTU auf 1280 setzen, dann hocharbeiten
Nur bestimmte Webseiten laden nichtSeiten mit großen TLS-Handshakes werden fragmentiertMTU auf 1380 oder niedriger
Langsame VPN-GeschwindigkeitMTU zu niedrig – unnötig viele kleine PaketeMTU schrittweise erhöhen
VPN bricht auf Mobilfunk immer wieder abWechselnde Mobilfunkzellen mit unterschiedlichen MTUsMTU auf 1280 (sicherster Wert)
VPN funktioniert zu Hause, aber nicht unterwegsHeimnetz hat höhere MTU als Mobilfunk/Hotel-WLANClient-MTU auf 1280 setzen

8. Für Power-User: So berechnest du den optimalen MTU-Wert

Wenn du den bestmöglichen Durchsatz aus deiner WireGuard-Verbindung herausholen willst, lohnt es sich, den MTU-Wert exakt zu berechnen statt einen konservativen Standardwert zu nehmen.

Die Formel

WireGuard MTU = WAN-MTU − WireGuard-Overhead

IPv4: WireGuard MTU = WAN-MTU − 60

IPv6: WireGuard MTU = WAN-MTU − 80

Der WireGuard-Overhead im Detail

BestandteilIPv4 (Bytes)IPv6 (Bytes)
Äußerer IP-Header2040
UDP-Header88
WireGuard-Paket-Header44
WireGuard-Counter88
WireGuard-Poly1305 MAC1616
Padding (4-Byte-Aligned)44
Gesamt-Overhead6080

Berechnungsbeispiele

SzenarioWAN-MTUAbzugErgebnis
Glasfaser ohne PPPoE, IPv41500− 601440
Glasfaser ohne PPPoE, IPv61500− 801420
Movistar FTTH (PPPoE), IPv41492− 601432
Movistar FTTH (PPPoE), IPv61492− 801412
Movistar PPPoE + IPv6 (empf.)1492− 801412
Starlink (konservativ), IPv61500− 80 − 20*1400

* Bei Starlink empfiehlt es sich, zusätzlich 20 Bytes Puffer abzuziehen, da die Verbindung über Satelliten und CGNAT läuft und gelegentlich zusätzliche Kapselung stattfindet.

Warum 1412 der „goldene Wert” für Spanien ist

Da die meisten spanischen FTTH-Anbieter PPPoE verwenden und viele Clients mittlerweile über IPv6 kommunizieren, ist 1412 der optimale Kompromiss: Er berücksichtigt sowohl den PPPoE-Overhead (8 Bytes) als auch den maximalen WireGuard-Overhead (80 Bytes bei IPv6). So hast du maximalen Durchsatz bei voller Kompatibilität.

MSS Clamping – ein wichtiges Detail

Neben der MTU gibt es noch den MSS-Wert (Maximum Segment Size). Er betrifft nur TCP-Verbindungen und wird in der Regel automatisch angepasst. Die Formel lautet:

MSS = MTU − 40 (IPv4) bzw. MTU − 60 (IPv6)

Bei einer WireGuard-MTU von 1412 ergibt sich also ein MSS von 1372 (IPv4) bzw. 1352 (IPv6). UniFi-Gateways setzen MSS Clamping in der Regel automatisch. Solltest du dennoch Probleme mit bestimmten Webseiten haben, überprüfe, ob MSS Clamping auf dem WireGuard-Interface aktiv ist.

9. MTU testen und überprüfen

Um den optimalen MTU-Wert empirisch zu ermitteln, kannst du auf deinem Computer einen einfachen Ping-Test durchführen:

Auf macOS / Linux (Terminal)

ping -D -s 1372 -c 5 8.8.8.8

Auf macOS verhindert -D die Fragmentierung. Wenn die Pakete durchkommen, ist dein Pfad für diese Größe geeignet. Erhöhe schrittweise um 10, bis Pakete verloren gehen – der letzte funktionierende Wert plus 28 (IP+ICMP-Header) ergibt deine Pfad-MTU.

Auf Windows (CMD)

ping -f -l 1372 8.8.8.8

Das -f-Flag verhindert Fragmentierung. Bei der Fehlermeldung „Paket müsste fragmentiert werden” den Wert verringern.

Über die UniFi-Konsole (SSH)

Du kannst dich per SSH auf dein UniFi-Gateway verbinden und den aktuellen MTU-Wert prüfen:

ip link show wg0

Die Ausgabe zeigt dir unter anderem den aktuell gesetzten MTU-Wert für das WireGuard-Interface.

Vorgehensweise zum Optimieren

  1. Starte mit dem konservativen Wert 1280 und teste die Verbindung.

  2. Erhöhe schrittweise um 20 (1300, 1320, 1340 …).

  3. Teste nach jeder Änderung: VPN-Aufbau, Webseitenladen, Speed-Test.

  4. Der höchste stabile Wert ist dein optimaler MTU-Wert.

10. Zusammenfassung & Fazit

Mit UniFi Network 10.2.105 und UniFi OS 5.0.16 hat Ubiquiti endlich die Möglichkeit geschaffen, den MTU-Wert für WireGuard-VPN-Verbindungen direkt über die Oberfläche anzupassen. Das war lange ein Schmerzpunkt – besonders für Nutzer mit PPPoE-Verbindungen oder Mobilfunk-basiertem Internet.

Die wichtigsten Punkte:

FrageAntwort
Was ist der Unterschied zwischen „MTU-Wert” und „Maximale Übertragungseinheit”?MTU-Wert = Paketgröße im VPN-Tunnel. Maximale Übertragungseinheit = Paketgröße auf der physischen Leitung. Die Tunnel-MTU muss kleiner sein.
Welchen Wert soll ich nehmen, wenn ich unsicher bin?1280 – funktioniert überall, auch wenn nicht optimal.
Bester Wert für Movistar/Orange auf Mallorca?1412 – berücksichtigt PPPoE + IPv6-Overhead.
Bester Wert für Starlink?1400–1420 – mit etwas Puffer für CGNAT-Overhead.
Bester Wert für Mobilfunk?1280 – maximale Kompatibilität bei wechselnden Netzen.

Häufiger Fehler

Setze den WireGuard-MTU-Wert niemals auf 1500 oder höher. Das führt fast immer zu Problemen, da kein Platz mehr für den WireGuard-Overhead bleibt. Selbst bei einer WAN-MTU von 1500 darf die Tunnel-MTU maximal 1440 (IPv4) bzw. 1420 (IPv6) betragen.

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